Ausgangslage

Auftrag der Untersuchung an das Ilse-Arlt-Institut waren Fragen struktureller sozialer Ausgrenzung sowie akuter Gefährdungen in Form von Suchtmittelkonsum, Alkoholismus, Gewalt etc.) von Jugendlichen in Amstetten.


Projektziel

Der Perspektive der Jugendlichen einen zentralen Forschungsfokus bei der Klärung der Beantwortung der Forschungsfragen einzuräumen, stellte die zentrale Bedingung an die ForscherInnengruppe dar. Die Ergebnisse aus Gruppendiskussionen (Flick 1995: 187; Bortz 2002: 298), teilnehmenden und verdeckten Beobachtungen (Lamnek 1995: 231), Stadtteilbegehungen (Deinet U. 2002) und Sozialraumanalyse waren folgende:

  • Ein enger Zusammenhang zwischen dem Volumen des für Jugendliche verfügbaren Raums und dem Ausmaß sozialer Benachteiligung derselben existiert. Besonders in Siedlungsanlagen sind Jugendliche aufgrund eines Mangels an privatem Raum (sehr kleine Wohnungen) vielfach gezwungen, auf den öffentlichen Raum auszuweichen.
  • Amstetten zeigt einen besonders positiven Wanderungsbilanzsaldo, eine (im Vergleich zu anderen niederösterreichischen Bezirkshauptstädten) gesteigerte Geburtenbilanz sowie alle Merkmale einer wirtschaftlich prosperierenden Sozialgeographie, was hohe Anforderungen an Maßnahmen der sozialen Teilhabe für alle Bevölkerungsgruppen stellt. Insbesondere jene BürgerInnen und Jugendlichen mit migrantischem Hintergrund bedürfen gezielter integrativer Angebote.
  • Skandalisierende mediale Berichterstattungen (z. B.: „komatrinkende Jugendliche“) der jüngeren Vergangenheit schaffen komplexe Verstrickungen in den Reaktionen: je mehr über disziplinlose Jugendliche berichtet wird, je aufgeheizter der öffentliche Diskurs abläuft, desto stärker reproduzieren Jugendliche die ihnen zugeschriebenen Besonderheiten, bzw. Abweichungen.
  • Die Auseinandersetzung mit dem Sozialraum ist für Jugendliche identitätsstiftend und biographisch erforderlich; mangelt es an positiver Resonanz, steigert dies die Wahrscheinlichkeit destruktiver Verhaltensweisen (so zum Beispiel die Beschädigung öffentlicher Einrichtungen).



Ergebnisse

Als Handlungsempfehlungen an die Jugendarbeit und –politik in Amstetten lassen sich zusammenfassen:

  • Ein zentrales Forschungsergebnis stellt die Notwendigkeit von Lobbyarbeit dar. Es bedarf einer parteilichen und räumlich-versierten „Interessensvertretung“, die sich dafür einsetzt, positive Schlagzeilen über Jugendszenen in den Vordergrund zu rücken.
  • Die Gestaltung des öffentlichen Raums muss nicht nur an die Bedürfnisse von Jugendlichen angepasst werden, sondern unter jugendlicher Beteiligung erfolgen.
  • Mobile Jugendarbeit im Sozialraum Amstetten ist geeignet, unterstützend durch konkrete, zielgruppen- und vor allem stadteilorientierte Angebote prekäre „Brennpunkte“ zu entschärfen und Kommunikation mit allen Konfliktparteien herzustellen.



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