Projektzeitraum: Juli 2005 - Juni 2007

Projektleitung: Johannes Pflegerl

ProjektpartnerInnen: Rettet das Kind, Sozaktiv, FH Oberösterreich

Forschungsprogramm: EQUAL

Projektmitarbeiterin: Andrea Viertelmayr

 

Abstract

Das Projekt „Qualität im Prozess der Fremdunterbringung“ zielt darauf ab, Kriterien und Standards für eine qualitätsvolle Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Heimen oder Wohngemeinschaften zu entwickeln, indem die Sichtweise der Betroffenen zentrale Berücksichtigung findet. Dabei wird die Phase vor der Unterbringung ebenso erfasst wie die Zeit des Aufenthalts sowie auch die Phase des Austritts durch Rückführung zu den Eltern bzw. Verselbständigung der jungen Erwachsenen. Dieser Zugang ermöglicht es, den Gesamtkontext von Prozessverläufen und somit entscheidende Phasen der Übergänge in den Blick zu nehmen.

Für die Verlaufsanalyse werden 16 Fallstudien durchgeführt. Durch die Berücksichtigung der Sichtweisen aller relevanten Beteiligten und der fallrelevanten Akten soll es möglich werden, sowohl die spezifischen Bedürfnisse von den Interviewten als auch die Fälle insgesamt umfassend zu verorten.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wird unter Beteiligung von relevanten Stakeholdern in einem dialogischen Verfahren ein Leitfaden mit Empfehlungen zur Verbesserung der Gestaltung des Gesamtprozesses von Fremdunterbringungen entwickelt.


Ausgangslage

Im letzten Jahrzehnt ist - so wie in anderen Feldern der sozialen Arbeit - im Bereich der stationären Jugendwohlfahrt bei der Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen eine zunehmende Orientierung an betriebswirtschaftlichen Managementkonzepten bemerkbar. Einrichtungen der stationären Jugendwohlfahrt werden zunehmend damit konfrontiert, ihre Dienstleistungserbringung zu legitimieren.Dies hat allerdings zu kritischen Debatten darüber geführt, inwieweit ursprünglich aus der Industrie stammende Konzepte der Qualitätsentwicklung überhaupt geeignet sind, auf das hochkomplexe Handlungsfeld der Jugendwohlfahrt übertragen zu werden, in der die Dienstleistungserbringung nicht in gleicher Weise technisiert organisiert werden kann . Daraus wurde die Notwendigkeit deutlich, eigene adäquate Modelle zum Nachweis einer qualitativen Dienstleistungserbringung zu entwickeln, in der die Charakteristika des Handlungsfeldes zentrale Berücksichtigung finden.


Projektziel

Das Projekt zielt darauf ab, Kriterien für eine qualitätvolle Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Heimen oder Wohngemeinschaften zu entwickeln, indem die Sichtweise der Beteiligten zentrale Berücksichti-gung findet. Diese werden in einem Leitfaden zusammengefasst.


Ergebnisse

Eine erste Anlayse hat ergeben, dass klare und verstehbare Abläufe und Strukturen wesentlich zum Aufbau stabiler und vertrauensvoller Beziehungen zwischen BetreuerInnen und den Kindern bzw. Jugendlichen beitragen.

Weiters zeigte sich bei den befragten Jugendlichen ein ambivalentes weil zeitgleiches Bedürfnis nach Freiheit einerseits und Sicherheit besteht. So wurde von ihnen mehrfach geäußert, dass es für sie wichtig war, sich auf ein verlässliches Betreuungsangebot stützen zu können. Gleichzeitig äußern sie auch das Bedürfnis nach Freiheit, etwa selbst bestimmen zu können, wann und wo sie sich mit anderen treffen. Dies weist auf ein Spannungsverhältnis zwischen zwei Bedürfnissen hin, die nur schwer gleichzeitig erfüllt werden können. Eine mögliche Lösung erfordert daher einen Aushandlungsprozess, bei dem einerseits auf die von den Jugendlichen geäußerten Bedürfnisse nach Freiheit geachtet wird und andererseits die zu ihrem Schutz notwendigen Maßnahmen getroffen werden.

In den Fällen wurde weiters deutlich, wie wichtig es für Kinder und Jugendlichen ist, respektvoll behandelt zu werden, sowie Offenheit und Interesse für ihre Wünsche und Anliegen zu zeigen. Es zeigte sich, dass es nicht ausreicht dies ausschließlich in alltäglichen Situationen oder Konflikten zu zeigen, sondern ebenso entscheidend ist eine respektvolle und akzeptierende Grundhaltung insbesondere in kaum lösbaren Konfliktsituationen. Darüber hinaus kommt der Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsperspektive entscheidende Bedeutung zu.

Zusammenfassen betrachtet zeigt sich, dass für die Kinder und Jugendlichen insbesondere die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen von besonderer Wichtigkeit ist.


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Eine Printversion des Leitfadens kann kostenlos am Arlt Institut bestellt werden.