Projektleitung: Gertraud Pantucek

Projektsupervision: Monika Vysouzil

Laufzeit: September 2012 - August 2014

Projektmitarbeiterin: Edith Enzenhofer (Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Finanzierung: BMI, Land NÖ

 

Abstract

Das Projekt „Die ersten Schritte gehen wir gemeinsam“ wurde mit der Intention entwickelt, den frühen Kindergartenbesuch von Kindern, die in Niederösterreich leben, nicht über eine Verpflichtung sicherzustellen, sondern positive Motivationsanreize zu setzen. Ziel des Projekts war es, allfällige Barrieren des Besuchs abzubauen und Eltern, deren Kind noch nicht den Kindergarten besucht, durch regelmäßige, kostenlose Treffen im Kindergarten – sogenannte Eltern-Kind-Runden – sanft an diese erste Bildungsinstitution heranzuführen. Insbesondere sollten solche Eltern angesprochen werden, deren Kinder Sprachförderbedarf aufweisen, wobei hier ursprünglich Kinder mit Migrationshintergrund im Fokus standen. Im Verlauf des ersten Jahres wurde die Ausrichtung jedoch erweitert, und es wurden alle Kinder als Zielgruppe des Projekts definiert. Dies wurde auch deshalb als sinnvoll erachtet, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Sprachförderbedarf keineswegs nur bei Kindern mit Migrationshintergrund festzustellen ist, sondern generell bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien ein Thema sein kann. Von Angeboten der vorschulischen Sprachförderung sollten demnach alle Kinder profitieren können, da so ihre langfristigen Bildungs- und Teilhabechancen erhöht werden. Im zweiten Projektjahr lag der Fokus ursprünglich auf den Vierjährigen, da sich ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr an diese Gruppe richten würde.

Die ursprüngliche Ausrichtung des Projektes – eine verstärkte Hinführung bestimmter Zielgruppen zum Kindergartenbesuch – musste aufgrund der gefundenen Evidenzen überdacht werden. Laut projektinternen Bedarfserhebungen bleiben weder Kinder mit Migrationshintergrund noch Vierjährige in Niederösterreich in großem Stil dem Kindergarten fern. Diese Kinder sind physisch im Kindergarten präsent. Ob sie und ihre Familien in dieser Bildungsinstitution jedoch auch im Sinne der sozialen Inklusion „angekommen“ sind, hängt von mehreren Faktoren und Barrieren ab, vor allem von sozialer Ungleichheit. Im Rahmen der Eltern-Kind-Runden zeigte sich, dass vielfältige psychosoziale Probleme (Erziehungsprobleme, Trennung, Traumata, Informationsmängel, Sprachbarrieren, Armut, Hunger, Verwahrlosung, Spielsucht, u.v.m.) das Ankommen in Bildungssystem behindern. Hier frühzeitig sollte durch geeignete Maßnahmen angesetzt werden. Wertschätzung, Annahme und ein ressourcenorientierter Zugang sind hierfür die Schlüsselelemente.

Abschließend wurde ein sozialpädagogisch-inklusives Stufenmodell des Deutscherwerbs entwickelt, das sich nicht nur auf MigrantInnen, sondern allgemein auf Personen mit Sprachförderbedarf anwenden lässt. An dessen Basis stehen ein grundsätzliches Willkommen-Sein, Vertrauen und Zugehörigkeit. Wenn ein Mensch die Erfahrung macht, grundsätzlich in einem bestimmten sozialen Umfeld willkommen zu sein, wenn er/sie ein Mensch ein Eingeladen-Sein in Angebote erfährt, dann sind erste Zugehörigkeitserfahrungen möglich.

Danach ist eine Stärkung bei psychosozialen Problemlagen nötig. Erst müssen die dringlichsten psychosozialen Probleme gelöst sein, bevor man an den Erwerb oder die Vertiefung der deutschen Sprache denken kann. Hier ist ganzheitliche Gesundheitsförderung im Sinne der WHO-Definition angesprochen, welche die körperliche, seelische und sozio-ökonomische Ebene umfasst. Vieles, was als „nicht Wollen“ rezipiert wird, ist in Wirklichkeit ein „Nicht Können“. Sprachförderung sollte diese Ebene nicht außer Acht lassen.

Wenn ein Umfeld geschaffen ist, in dem man grundsätzlich willkommen ist und sich auch mit diversen Schwierigkeiten und Lebensbürden angenommen fühlt, dann kann man angstfrei Kontakte knüpfen und Beziehungen eingehen, denn es besteht nicht die Sorge, abgelehnt oder ausgegrenzt zu werden. Mit den Kontakten kommt auf natürliche Weise der Erwerb der deutschen Sprache bzw. die Lust, die Kompetenzen in dieser Sprache zu vertiefen, denn diese ist dann ein Medium für nährende und stützende Beziehungen.