Projektleitung: Kurt Fellöcker

Laufzeit: WS 2009/10 - SS 2010 (Bachelorprojekt)

ProjektmitarbeiterInnen: Stefanie Agl, Bettina Brandtner, Nina Hagenauer, Adrienn Petrovics, Ulrich Scharner, David Schmid, Isabelle Schwager, Martina Siedl, Viola Sigut, Emily Vowels, Nora Watzke

 

Zusammenfassung

Die Monitoring-Studie zum Alkoholkonsum Jugendlicher in ausgewählten Bezirken Niederösterreichs wurde im Rahmen eines studentischen Forschungsprojekts mit Studierenden des Bachelorstudiengangs (5. und 6. Semester) durchgeführt und versteht sich als Nachschau zur Vorgängerstudie von Eisenbach-Stangl et al. aus 2008. Der Fragestellung der veränderten Trinkgewohnheiten junger Menschen wurde mit qualitativen Methoden nachgegangen. Im Zentrum steht der auffällige öffentliche Alkoholkonsum, der in Gruppen stattfindet, die hier als „jugendliche Alkoholszenen“ bezeichnet werden. Als Öffentlichkeit wurden die allen BürgerInnen gleichermaßen kostenlos zugänglichen Räume (Straßen, Plätze, Grünanlagen, Freizeitanlagen etc.) verstanden, aber auch halb-öffentliche Räume, wie verschiedene Lokale und in einem Beobachtungsszenario eine private Party eines 14jährigen Mädchens. Neben dem Alkoholkonsum der jugendlichen Szenen und den mit ihm assoziierten selbstschädigenden Handlungen – wie etwa schweren Rauschzuständen – interessierten die aggressiven Akte, die unter Alkoholeinfluss gesetzt werden – wie etwa Belästigungen Dritter und Gewalttätigkeiten -, und der (zusätzliche) Gebrauch illegaler Drogen.

Es wurde der Frage nachgegangen, ob sich die Trinkorte und das Trinkverhalten der Jugendlichen im Vergleich zur Vorstudie geändert haben und schließlich wurden präventive Möglichkeiten reflektiert. Öffentliche jugendliche Alkoholszenen sind ein Forschungssubjekt, das sich wesentlich durch die mehr oder minder konflikthafte Abgrenzung von Erwachsenen konstituiert, und sich ihnen teils auch zu entziehen sucht: Nicht ohne Grund, denn geht es doch auch um Verhalten, das gegen die Regeln der älteren Generation verstößt. Erwachsene - war daher zu erwarten – würden es schwer haben, sich mit der interessierenden Gruppe zu identifizieren und „Zugang und Akzeptanz .... zu finden“ (Lamnek 1988, S. 218ff). Sie würden stattdessen Gefahr laufen, in den, das Forschungssubjekt konstituierenden Generationenkonflikt hineingezogen zu werden und solcherart die nötige Distanz zu verlieren. Es schien daher vorteilhaft, junge Menschen in der Feldforschung einzusetzen, Personen, die die Lebensphase der zu erforschenden Gruppe erst vor Kurzem durchlaufen hatten, wie etwa StudentInnen. Und vorteilhaft schien es des weiteren, junge MitarbeiterInnen zu finden, die Zugang und Akzeptanz für randständige und (situativ) abweichende Personen zu entwickeln vermögen und hierzu waren ohne Frage StudentInnen der Sozialarbeit bestens geeignet. StudentInnen der Sozialarbeit würden durch ihre Mitarbeit in einem Forschungsprojekt über jugendliche Alkoholszenen auch Erfahrungen sammeln können: Nicht nur mit der sozialwissenschaftlichen (Feld)Forschung, sondern auch mit dem Forschungsgegenstand, was ihnen in ihrer späteren Berufsarbeit dienlich

Die Beobachtungen typischer Szenen, die nach den Erfahrungen aus der Vorgängerstudie in der Stadt St. Pölten, sowie in den Bezirken Lilienfeld und Zwettl ausgewählt wurden, begannen im Herbst 2009. Sie wurden bis in den Winter fortgesetzt, um auch Einblicke in „winterliche Szenen“ – etwa auf Weihnachtsmärkten – zu erhalten. Die Beobachtungen, die von den studentischen MitarbeiterInnen durchgeführt wurden, erfolgten „verdeckt“ – die BeobachterInnen gaben sich nicht als solche zu erkennen – und sie waren prinzipiell als „nicht teilnehmend“ konzipiert, wiewohl die StudentInnen nicht vermeiden konnten, immer wieder einmal in das „zu beobachtende soziale Feld“ hineingezogen zu werden (Lamnek 1989, S. 233ff), was sie durchwegs mit großem Einfallsreichtum und mit Bravour bewältigten. Der für die Beobachtungen erstellte Leitfaden war getestet und nach ausführlichen Diskussionen mit den StudentInnen leicht revidiert worden. Für die nachträgliche Verschriftung der Beobachtungen wurde ein Beobachtungsprotokoll entwickelt, das auch Notizen über den Beobachtungsprozess und die Beobachtenden – ihre persönlichen Eindrücke etwa – vorsah. Das Hauptaugenmerk lag auf den beobachtbaren neuen Entwicklungen und Veränderungen im Vergleich zur Vorgängerstudie. Eher unsystematisch durchgeführte Einzelinterviews ergänzten die Beobachtungen, speziell dort, wo Fragen nach den Verhaltensmotiven der Jugendlichen offen blieben. Der vorliegende Monitoringbericht beschränkt sich auf die Darstellung der Auswertung der Beobachtungen und Interviews und auf die vorgefundenen Kategorien. Der am epidemiologischen Rahmen interessierte Leser sei an die Vorgängerstudie (Eisenbach-Stangl, 2008) verwiesen, Rahmentheorien werden in stark gekürzter Form in den passenden Kategorien erwähnt. Die Trinkorte wurden anonymisiert.

 

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