Projektleitung: Kurt Fellöcker

Laufzeit: Jänner 2011 – April 2012

ProjektmitarbeiterInnen: Studierende des Masterstudiengangs Soziale Arbeit an der FH St. Pölten

 

Abstract

Das gegenständliche Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Frage der Konstruktion sozialer Gruppenarbeit in der vorfindbaren professionellen Praxis in Österreich. Untersuchungen zum derzeitigen Stand der Lehre in Österreich und im Sinne von models of good practice im Ausland, sollen weiter der Frage nachgehen, ob und wie eine Rückbesinnung auf diese Methode eine professionspezifische Antwort auf den derzeitigen Wandel der Gesellschaft (Stichwort: „Tod des Sozialen“) darstellen kann.

 

Details

Die Geschichte der Entwicklung sozialer Gruppenarbeit ist eng an die Geschichte einer sich wandelnden Gesellschaft geknüpft. Ausgangspunkt der Entstehung moderner Gruppenarbeit waren erste professionelle Diskussionen um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert in den USA. Vor dem Hintergrund der mit der Industrialisierung einhergehenden sozialen Probleme entstanden Selbsthilfegruppen, Bruderschaften, Gemeinschaftshäuser und die Arbeiterbewegung. Es ging somit um die Bedürfnisse und (vorenthaltenen) Ressourcen der Menschen, die in der radikalsten kapitalistischen Gesellschaft in Selbstverantwortung realisiert werden mussten, weil ein staatliches Fürsorgesystem ideologiebedingt nicht etabliert werden konnte. Der Umgang mit Gruppen in der Sozialarbeit fand dann durch die Gründung einer Sektion „social group work“ in der Amerikanischen National Conference for Social Work im Jahr 1935 ihren Niederschlag.

Die Entwicklung der sozialen Gruppenarbeit in Europa, jäh zum Erliegen gebracht durch das Dritte Reich, nahm dann einen wechselreichen Verlauf. Der Pädagogisierung in Deutschland, die schließlich auch zur Trennung von Sozialarbeit/Sozialpädagogik führte, steht die Konstitution eines von der Sozialarbeit völlig getrennten Verständnisses von Gruppenpädagogik in Österreich gegenüber. Die aus Deutschland Mitte der siebziger Jahre herüberschwappende Kritik an der Gruppenpädagogik als naiver Versuch der Individualisierung gesellschaftlicher Probleme, hatte hierzulande einen eher paradoxen Effekt auf die Berufsgruppe: In den genuin sozialarbeiterischen Ausbildungen wurden Gruppenmethoden scharf kritisiert und abgelehnt, außerhalb dieser Einrichtungen boomte aber der Bereich. Für kurze Zeit, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, etablierten sich mehrere kleine Vereine, die sich als Verbreiter gruppenpädagogischer Methodik verstanden. In weiterer Folge entwickelten sich diese Vereine rasant zu Anbietern psychotherapeutischer Ausbildungen.

Soziale Gruppenarbeit (aber auch die Gruppenpädagogik in Österreich) führt seitdem eher ein professionelles Nischendasein, überschattet von Entwicklungen und Status von Gruppenpsychotherapie und case-work-orientierter Sozialarbeit. Während in der sozialarbeiterischen Praxis die Relevanz von Gruppenarbeit unbestritten ist, steht die Lehre sozialer Gruppenarbeit derzeit an einem Schwellenpunkt, der gekennzeichnet ist von Forderungen nach einer „Verwissenschaftlichung“ (Schmidt-Grunert) und der „Orientierung an Biografie- und Lebensweltbezug“ (Galuske). Ansprüche, deren Berechtigung unbestritten ist, allerdings bleibt derzeit noch offen, wie soziale Arbeit mit Gruppen auf der Handlungsebene beschaffen sein kann, um ihrem Anspruch einer individualisierenden Hilfeleistung, die sich an den Bedürfnissen und Ressourcen der Menschen orientiert, gerecht zu werden.