Dienstag, 7.10.2014, 17.30-19.00 Uhr | FH St. Pölten, SR 1.12

"Alarmismus oder Optimismus? Überlegungen zu Chancen und Grenzen interdisziplinärer Migrationsforschung" ist das Thema unserer nächsten Lecture am 7.10.2014.

Mag. Dr. Anne Unterwurzacher und Mag. Dr. Rita Garstenauer forschen am Zentrum für Migrationsforschung am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten und erarbeiten derzeit einen Forschungsansatz, der gegenwarts- und vergangenheitsorientierte Migrationsforschung in einer Längsschnittperspektive verbindet, den sie im Rahmen unserer Open Lecture vorstellen und mögliche Ansatzpunkte aber auch die Schwierigkeiten interdisziplinärer Migrationsforschung diskutieren.


Die Teilnahme an der Open Lecture steht allen Interessierten offen, aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Abstract

Im öffentlichen Diskurs wird Migration vielfach als Problemkontext repräsentiert. Die gegenwartsbezogenen Sozialwissenschaften sind von dieser Rahmung stark geprägt. Eine historische Beschäftigung mit dem Gegenstand zeigt, dass Migration kein ungewöhnliches, daher zu behebendes Gegenwartsproblem, sondern ein normales, historisch in verschiedenen Ausprägungen fassbares Phänomen darstellt. Allerdings ändert auch die geschichtswissenschaftliche Perspektive nichts daran, dass Migrationen hohen (materiellen) Aufwand erfordern und persönliche Risiken mit sich bringen; nicht zuletzt entstehen Migrationsbewegungen oft im Kontext krisenhafter Ereignisse. Wenn die Gegenwart als Ergebnis vorangegangener Migrationsprozesse betrachtet wird, so können zwei völlig unterschiedliche Darstellungsmodi die Auseinandersetzung bestimmen. Setzt das Narrativ den Fokus auf die überwundenen Schwierigkeiten und das Etabliert-Sein in der Gegenwart, so verdeckt das Bild vom Happy End unter Umständen die Widrigkeiten, mit denen sich MigrantInnen auseinandersetzten mussten und müssen. Ein Überbetonen der mit Migration verbundenen Probleme hingegen begünstigt ein Narrativ der Viktimisierung, das MigrantInnen per se als Opfer gesellschaftlicher Strukturen darstellt. Aus interdisziplinärer Sicht erscheint es notwendig, zwischen diesen Extremen eine Balance zu finden. In der Lecture werden mögliche Ansatzpunkte aber auch die Schwierigkeiten interdisziplinärer Migrationsforschung diskutiert.


Über die Referentinnen

Mag. Dr. Anne Unterwurzacher ist Soziologin mit Arbeitsschwerpunkt Migration und Bildungsungleichheit in der Migrationsgesellschaft. Mag. Dr. Rita Garstenauer ist Historikerin mit Arbeitsschwerpunkt Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte ländlicher Räume. Beide erarbeiten derzeit am Zentrum für Migrationsforschung am Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten einen Forschungsansatz, der gegenwarts- und vergangenheitsorientierte Migrationsforschung in einer Längsschnittperspektive verbindet.

 

 

Download