Im Rahmen einer Open Lecture des Ilse Arlt Instituts berichtete Mikko Mäntysaari über das Projekt des bedingungslosen Grundeinkommens in Finnland.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist eine der am meisten diskutierten Alternativen in der Sozialpolitik. Auf Einladung des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung sprach Mikko Mäntysaari von der Universität Jyväskylä (Finnland) über das finnische Modell. Vor dem Hintergrund der aktuellen Politik der Mitterechtsregierung unter Premierminister Juha Sipilä analysierte er das Pilotprojekt, das im Rahmen einer umfassenden Reform des finnischen Sozialsystems gestartet wurde.

Menschen, die in dem Programm teilnehmen, erhalten monatlich eine Summe von 560 Euro. Diese Summe wird auch nicht reduziert, wenn die Person Geld dazuverdient. Das Experiment läuft für zwei Jahre und endet 2018. Träger des Projektes ist der Sozialversicherungsverband Kela. 2.000 arbeitslose Personen wurden per Los ausgewählt, um an dem Projekt teilzunehmen.

Dem Versuch ging ein Experiment in der Kleinstadt Paltamo (2009–2013) hervor. Die Folgen des Experiments sind umstritten. Expertinnen und Experten attestierten dem Experiment langfristig geringe Auswirkungen auf die Arbeitslosenrate, wohl aber auf die soziale Kontrolle, der die Betroffenen ausgesetzt sind. Ähnlich pessimistisch wird auch das gegenwärtige Projekt vielfach eingeschätzt.

Eine offene Frage ist die Evaluierung des Projektes. „Bis zum heutigen Tag ist nicht klar, wer das Projekt wissenschaftlich begleitet“, so Mäntysaari. Demnach wurden auch noch keine Daten veröffentlicht.
Was macht ein Grundeinkommen mit den Menschen?

„Der Schlüsselpunkt in der Debatte ist die Diskussion über den moralischen Wert von Lohnarbeit. Die wichtigen Punkte, die wir diskutieren müssen, sind auch mit der Genderdimension dieses Experiments verbunden“, so FH-Professorin Michaela Moser, die am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung zu Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe Armutsbetroffener forscht. „Es wäre interessant zu erforschen, was ein bedingungsloses Grundeinkommen mit Menschen macht.“

Mikko Mäntysaari forscht und lehrt Soziale Arbeit an der Universität Jyväskylä. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der sozialen Verwaltung. An der FH St. Pölten referierte er auch im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Bachelor Studiengang Soziale Arbeit im Rahmen der Ringvorlesung „Sozialpolitik aus verschiedener Sicht“ unter der Leitung von FH-Professor Tom Schmid.

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Informationen zum Projekt auf der Website der Kela (Englisch)